5. – 10. Schuljahr

Monika Kallfelz

Rund um die Verdauung

„Darm mit Charme lautet der Science Slam und das zugehörige Buch von Giulia Enders. Was macht ihre Darbietung so erfolgreich und ihr Buch zu einem Bestseller? Vermutlich sind es zwei Faktoren: Zum einen sind Themen rund um die Verdauung für jeden Menschen ständig präsent. Zum anderen sind sie in der alltäglichen Kommunikation eher peinlich oder sogar tabu. Viele Begriffe finden als Schimpfwörter Verwendung. Die Autorin stellt dieses heikle Thema in charmanter Weise vor. Sie findet passende Begriffe und Abbildungen und beantwortet sachlich, korrekt und informativ die Fragen, die sich nur wenige zu stellen trauen. Dinge, die auch einen gelungenen Unterricht kennzeichnen.

Die Verdauung ist ein zentraler Prozess im Stoffwechselgeschehen. Durch sie erschließt der Körper die aufgenommene Nahrung, indem sie zunächst zerkleinert und in mehreren Etappen enzymatisch umgesetzt wird. So kann der Körper die Bausteine der Nährstoffe aufnehmen. Diese liefern dem Körper Baustoffe zur Bildung neuer Körpersubstanz oder Energie, die beispielsweise für Bewegungen, Denkvorgänge und die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur wichtig sind.
Der Aufbau des Verdauungstrakts
Vereinfacht betrachtet, ist der Verdauungstrakt ein schlauchförmiger Kanal durch den Körper. Er ist in Abschnitte untergliedert. Durch die räumliche Trennung kann in jedem Abschnitt ein anderer Vorgang ablaufen. Im Mund wird die Nahrung mechanisch zerkleinert und mit Speichel vermischt. Die Speiseröhre transportiert den Nahrungsbrei zum Magen. Im Magen herrscht ein saures Milieu. Eiweiß wird denaturiert und durch ein Enzym umgesetzt, das in dieser sauren Umgebung optimal wirkt. Der Dünndarm bietet hingegen eine alkalische Umgebung, in der Enzyme der Bauchspeicheldrüse wirken. Die für den Körper verwertbaren Bausteine der Nährstoffe gelangen dort durch die enorm große Fläche der Darmwand in die Körperflüssigkeiten. Im Dickdarm sind Mikroorganismen aktiv. Außerdem werden große Mengen Wasser resorbiert. Im letzten Abschnitt, dem Enddarm, wird der Kot dann gespeichert und zu geeigneter Zeit abgegeben.
Angepasst an die verschiedene Ernährungsweisen der Tiere, hat sich der Verdauungstrakt vielfältig ausdifferenziert. So besitzen Körner fressende Vögel zum Beispiel einen Kropf zum Einweichen der harten Nahrung. Wiederkäuer haben mehrere Mägen, mit denen sie die schwer verdauliche pflanzliche Nahrung aufschließen und Blinddarmgärer, wie das Meerschweinchen, haben einen enorm vergrößerten Blinddarm.
Ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte
Entwicklungsgeschichtlich ist der Darm eines der ältesten Organe. Einzeller nehmen ihre Nahrung direkt in die Zelle auf und scheiden sie auf diesem Weg auch wieder aus. Quallen haben eine sackförmige Körperhöhle mit einer einzigen Öffnung, die dem Ein- und Ausströmen dient. Später entwickelte sich eine zweite Öffnung, welche eine räumliche Trennung von Aufnahme und Abgabe ermöglicht. Wir unterscheiden heute zwischen Urmündern, mit neu gebildetem Anus und Neumündern, bei denen die Mundöffnung neu entstand.
Krankheiten des Verdauungssystems
Bei einem so komplexen Organsystem treten entsprechend vielfältige Defekte auf: von anatomischen Besonderheiten über Entzündungen einzelner Abschnitte und fehlenden Enzymen bis hin zu Tumoren. Verstärkt im Gespräch sind in den letzten Jahren Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Laktoseintoleranz ist weit verbreitet und gehört daher häufig auch zum Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler. So begegnen ihnen allein im Supermarkt inzwischen regelmäßig laktosefreie Produkte, wie Milch, Käse, Sahne, Quark oder Kuchen. Auch die Glutenunverträglichkeit erfordert eine besondere Diät und gehört heute zum gesellschaftlichen Alltag.
Nach der Verdauung
Die Bildung von Kot ist der Abschluss der Verdauung. Seine Bedeutung reicht aber darüber hinaus. Tiere nutzen Kot beispielsweise zur Tarnung, als Nahrung, als Sonnenschutz oder zur Weitergabe...

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